Startseite
70 Jahre Sportschule Erfurt: 1300 Ehemalige feiern größtes Klassentreffen
- 11.09.2026 18:45
- Erfurt. Sieben Jahrzehnte eine Tür in die Welt – zu Erfolgen und Karrieren. Die Sportschule in Erfurt feiert ihr 70-jähriges Bestehen. Goldene Generationen kommen zum Gratulieren. Ein Abend zwischen Erinnerung und Zukunftswunsch.
Von Steffen Eß, Redakteur/Reporter Sportcontent
07.09.2026 | Thüringer Allgemeine
Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie zur Fotogalerie.Für einen Besuch der Sonderausstellung im Stadtmuseum über die „Sportstadt Erfurt“ war die Zeit zu knapp. Hans-Peter Fröhlich bedauerte das ein wenig. Er wäre gern tiefer auf Spurensuche gegangen. Sport und Geschichte, das ist sein Faible. Beides prägte seinen Weg – und führte ihn am Wochenende an das Sportgymnasium Erfurt, das mit einem großen Wiedersehen das 70-jährige Bestehen feierte. Eine Reise in die eigene Vergangenheit.
Die Bibliothek, moderne Klassenräume, das Internat und eine Dreifelderhalle nebenan, eine Rollbahn vor der Tür, das Stadion im Blick, zwei Eishallen und eine Schwimmhalle nur einen Steinwurf entfernt: „Die Bedingungen sind ideal“, staunte Hans-Peter Fröhlich darüber, wie sich das Bild der Sportschule Erfurt gewandelt hat. Ein ganz anderes Gestern kannte er aus Kindertagen als einer der ersten Schüler.
Von Rostock an die Mozartallee: Aufbruch um sieben Uhr früh
Um das Heute aus der Nähe zu erleben, hat sich der 80-Jährige um sieben Uhr früh in Rostock ins Auto gesetzt. Am Mittag schaute er sich neugierig unter vielen Besuchern in der Eliteschule des Sports an der Mozartallee um. Anlässlich des Jubiläums „70 Jahre Sportschule in Erfurt“ hatte das nach Pierre de Coubertin benannte Spezialgymnasium eine Menge auf die Beine gestellt, um sich als Medaillenschmiede im Glanz der Geschichte zu präsentieren. Der Höhepunkt folgte am Abend: das größte Klassentreffen Erfurts in der Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle.
Als Bundestrainer für den Bereich Langsprint/Langhürde hätte Volker Beck in Brüssel sein sollen. Das Jubiläum in der Eishalle zog der Olympiasieger von 1980 über 400 Meter Hürden dem Diamond-League-Meeting der Leichtathletik vor – auch aus Dankbarkeit. „Hier in Erfurt habe ich die Möglichkeit bekommen, meine Fähigkeiten voll auszuschöpfen. Ich konnte Sport treiben. Ich konnte studieren. Das bedeutet mir sehr, sehr viel“, sagte der 70-Jährige. Und vor allem freute er sich über das Wiedersehen mit vielen einstigen Mitschülern, von Hürden-Olympiasiegerin Johanna Klier bis Annerose König, die ihren 75. Geburtstag feierte. „Für mich sind die Begegnungen entscheidend“, sagte Beck.
„Weißt du noch …?“ – 1300 Gäste machen das Eisoval zum Erinnerungsraum
„Eiskönigin“ Gunda Niemann-Stirnemann feierte im bunten Gewimmel ein wenig vor. Am Montag lud sie zu ihrem 60. Geburtstag in die Eisschnelllauf-Halle ein, die wegen der unzähligen Erfolge ihren Namen trägt. Bis in die Nacht gab es viel zu erzählen. Weißt du noch …? Die Frage fiel an diesem Abend ständig. Rund 1300 ehemalige Sportschüler, Lehrer und Gäste machten den Samstagabend im Eisoval zum größten Klassentreffen – und zu einem goldbeladenen Treff von Sportschul-Generationen.
Olympiasieger, Weltmeister und Medaillengewinner aus Jahrzehnten vom Eisschnelllauf über die Leichtathletik, den Bob- und Radsport bis zum Schwimmen kamen, um alte Geschichten Revue passieren zu lassen – und neue zu erzählen. „Tolle Erinnerungen, eine tolle Zeit. Ich möchte diese Jahre zu keiner Zeit missen“, fasste Volker Beck seine Schulzeit und Trainerjahre zusammen. 22 Jahre waren es insgesamt.
1957 in der Karlstraße: Als die Kinder- und Jugendsportschule noch ganz jung war
Der aus Nordhausen stammende Olympiasieger ist ebenso alt wie die Sportschule Erfurt. Deren Kindertage liegen für Hans-Peter Fröhlich inzwischen fast genauso lange zurück. 1957, ein Jahr nach Gründung der Kinder- und Jugendsportschule (KJS), wurde der Erfurter als Viertklässler eingeschult, damals noch im Gebäude in der Karlstraße.
„Wir hatten eine sehr breite Grundausbildung“, erinnerte sich der 80-Jährige. Wegen des Umzugs der Familie wechselte er ein Jahr später nach Bad Blankenburg. Dort war ebenfalls eine KJS entstanden. Mit Irene Binder gehörte eine der weltbesten Turnerinnen zum Kreis seiner Mitschüler, erzählte er. Geturnt wurde damals viel. Er entdeckte später vor allem den Volleyball für sich. Dem Abitur in Rudolstadt folgten das Studium und die Promotion an der Ostsee.
Vom Erfurter Klassenzimmer nach Moskau und Hongkong
Dass der Rostocker die Reise auf sich nahm, freute Schulleiter Martin Durner besonders. Kennengelernt haben sich die beiden zufällig über Freunde. Die Welt im Sport ist manchmal eben klein.
Die Geschichte der Sportschule Erfurt selbst öffnet dagegen nach wie vor Türen in die Welt – zu großen Erfolgen und Karrieren. Martin Durner weiß wie viele Absolventen um die Möglichkeiten. Als Volleyballer kam er einst an die Sportschule, um später als Lehrer in Moskau und Hongkong zu unterrichten. Mit Anfang vierzig kehrte er dorthin zurück, wo vieles begann.
„Dann geht mir das Herz auf“ – ein Wunsch für die nächsten Jahrzehnte
Klaus Böttner kennt den neuen Schulleiter als Absolventen. Elfeinhalb Jahre leitete er das Sportgymnasium. „Es ist eine Freude, zu sehen, wie sich diese jungen Menschen entwickelt haben“, sagte er am Rande des Jubiläums. Und wenn er an diesen Abend denke, den so viele engagierte Helfer über Monate vorbereitet haben, dann, sagte er, „geht mir das Herz auf“. Der 73-Jährige wünscht sich, dass viele Jahre Sportschule in Erfurt hinzukommen. „Ich hoffe, dass es auch in Zukunft im Verbund mit der Landespolitik gelingt, solche Bedingungen zu bieten.“ Dort, wo Erfurts Gold zur Schule ging.
Für Volker Beck steht fest: „Von solchen Bedingungen wie hier kann man nur träumen.“
Text: Steffen Eß, 07.09.2026 | Thüringer Allgemeine
Zum vollständigen Artikel in der Thüringer Allgemeinen
Zum Video-Beitrag des MDR- Zurück zur Artikelliste
Herzlich willkommen an der Sportschule Erfurt!
Öffnungszeiten – Sekretariat
Montag bis Freitag:
07:00 – 08:30 Uhr
09:00 – 09:30 Uhr
11:55 – 15:00 UhrAnsprechpartner & Hilfs-Netzwerk
